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El Hierro – Mythos und Realität der


„100 % Ökostromversorgung“

 

Die Kanareninsel El Hierro wird seit Jahren als Vorzeigeprojekt einer vollständig erneuerbaren Stromversorgung dargestellt. Immer wieder ist von „100 % Ökostrom“ oder gar „Stromautarkie“ die Rede.
>Siehe  frühere Berichte

Ziel dieser Auswertung ist es die tatsächliche Stromversorgung auf El Hierro anhand offizieller Betriebsdaten sachlich zu analysieren.

Grundlage sind die öffentlich zugänglichen Erzeugungs- und Verbrauchsdaten der spanischen Netzbetreiberplattform demanda.ree.es, ausgewertet für das Jahr 2024.

Die Fakten


Im Jahr 2024 hat die Windkraft während 2.604 Stunden über den jeweiligen Bedarf, Strom erzeugt.
Die Stromproduktion des alten Dieselkraftwerk lag an 1.507 Stunden Strom über den bedarf.

Im gesamten Jahr 2024 erzeugten die Windräder auf El Hierro an 1.858 Stunden gar keinen Strom, beim Dieselkraftwerk waren es 275 Stunden.
Das Pumpspeicherkraftwerk weist im Jahr 2024 keine einzige Stunde auf, an der es allein die Stromversorgung übernahm.

Daten für 2024
52.007 MWh Strombedarf

31.704 MWh Stromerzeugung Windkraft

29.629 MWh Stromerzeugund Dieselkraftwerk

5.708 MWh Stromerzeugung PSP (Graustrom da beim Verbrauch das Dieselkraftwerk überwiegend in Betrieb war)
-12.737 MWh Stromverbrauch PSP

 

Mythos 1: „El Hierro wird vollständig mit erneuerbarem Strom versorgt.“

Realität

Daten:

  • Im Jahr 2024 gab es nur in den Sommermonaten (Juli/August) Stunden ohne Diesel

  • In 8 von 12 Monaten: keine einzige Stunde vollständiger EE-Versorgung

  • Im Winter:

    • Diesel ist dauerhaft netzführend

➡️ Fakt:
El Hierro ist zeitweise, aber nicht ganzjährig erneuerbar versorgt.



Mythos 2: „Das Pumpspeicherkraftwerk macht El Hierro autark.“

Realität

Daten:

  • Das PSP hat 2024 keine einzige Stunde allein die Insel versorgt

  • Seine Hauptfunktion ist:

    • Frequenzstabilisierung

    • Kurzfristige Regelung

  • Nicht:

    • saisonale Energieversorgung

➡️ Fakt:
Das PSP reduziert Dieselverbrauch, ersetzt ihn aber nicht.


Mythos 3: „Der Speicher reicht rechnerisch für fast einen Monat – also kein Problem.“

Realität

Daten:

  • Mehrere Windflauten von 13–20 Tagen im Jahr 2024

  • Längste fossil-dominierte Phase:

    • 20 Tage (Nov–Dez 2024)

  • Speicher wird bewusst nicht vollständig entladen, um:

    • Netzstabilität

    • Regelreserve
      zu sichern

➡️ Fakt:
Speicherkapazität ≠ Versorgungssicherheit
Saisonale Flauten lassen sich mit PSP nicht überbrücken.



Mythos 4: „Wenn Wind da ist, läuft alles fossilfrei.“

Realität

Daten:

  • Selbst bei hoher Windleistung:

    • Diesel bleibt häufig synchron am Netz

  • Gründe:

    • Grundlast (u. a. Meerwasserentsalzung ~⅓ Verbrauch)

    • Trägheit und Netzstabilität

    • Sicherheitsreserven

➡️ Fakt:
Ein Inselnetz benötigt auch bei gutem Wind konventionelle Netzführung.


Mythos 5: „Pumpspeicherstrom ist automatisch Ökostrom.“

Realität

Daten:

  • Pumpen nutzen den aktuellen Strommix

  • In vielen Pumpstunden:

    • Diesel ist beteiligt

  • PSP-Strom ist damit:

    • energetisch vorbelastet

    • kein originärer Windstrom

➡️ Fakt:
PSP-Strom ist Speicherstrom, nicht automatisch Ökostrom.


❓ „Ist El Hierro nicht der Beweis für 100 % Ökostrom?“

Nein. Die offiziellen REE-Daten für 2024 zeigen, dass eine vollständig erneuerbare Stromversorgung nur zeitweise erreicht wurde – vor allem im Sommer. In den Wintermonaten gab es keine einzige Stunde ohne fossile Stromerzeugung. Über mehrere Zeiträume hinweg dominierte Diesel über Wochen.


❓ „Aber es gibt doch ein großes Pumpspeicherkraftwerk?“

Das Pumpspeicherkraftwerk dient primär der Netzstabilisierung und kurzfristigen Regelung. Es hat 2024 keine einzige Stunde allein die Insel versorgt. Der Speicher reduziert Dieselverbrauch, ersetzt ihn aber nicht – insbesondere nicht während längerer Windflauten.


❓ „Rechnerisch reicht der Speicher doch fast einen Monat?“

Rechnerische Energiemengen sind nicht gleich Versorgungssicherheit. 2024 traten mehrere Windflauten von bis zu 20 Tagen auf. Der Speicher wird bewusst nicht vollständig entladen, um Netzstabilität zu gewährleisten. Saisonale Flauten lassen sich mit einem Pumpspeicher technisch nicht überbrücken.


Gesamtfazit

Realität

El Hierro ist ein technisch beeindruckendes Beispiel für einen
erneuerbar dominierten Inselbetrieb.
Die Daten zeigen jedoch klar:
100 % erneuerbare Stromversorgung ist zeitweise möglich,
aber nicht dauerhaft, nicht saisonal und nicht ohne fossiles Backup.
Speicher und Wind reduzieren Diesel – sie ersetzen ihn nicht.

El Hierro vergleichbar mit Deutschland?

Frage:  100% EE und vollkommener Verzicht auf fossile energie, möchte man in Deutschland ja auch umsetzen. Nur wenn das auf einer Insel mit lediglich 10.000 Bewohner, kaum Touristik und so gut wie keine Industrie, das mit irgendwie akzeptablen Kosten nicht hin bekommt, wie soll das in einem Industriestaat funktionieren?

ChatGPT:

Exakt, das ist der zentrale Punkt, den viele oft übersehen: El Hierro ist in vielerlei Hinsicht ein “Labor für 100 % erneuerbare Energie”, aber auch unter idealen Bedingungen alles andere als trivial.

Ein paar kritische Überlegungen dazu:


1️⃣ Skalierung und Bevölkerung

  • El Hierro hat nur ~10.000 Einwohner, sehr begrenzte Industrie, kaum Stromspitzenlasten.

  • Der Tagesbedarf liegt bei ca. 100–120 MWh. In Deutschland reden wir über Tausende Gigawattstunden pro Jahr, massive Lastspitzen, industrielle Verbraucher, Wärmepumpen, E‑Mobilität etc.

  • Eine 1:1-Übertragung der Inselstrategie auf Deutschland ist daher praktisch unmöglich. Die Volatilität von Wind und Sonne würde enorme Speicherkapazitäten erfordern.


2️⃣ Speicher- und Wirkungsgradproblematik

  • Auf El Hierro: Wirkungsgrad des Pumpspeichersystems liegt bei ~40–45 %. In Deutschland: moderne Pumpspeicher schaffen ~75–80 %.

  • Für große Systeme: Verlustverluste werden exponentiell problematischer, je größer das Netz und je mehr Speicherzyklen nötig sind.

  • Pumpspeicher sind nur begrenzt skalierbar – in Deutschland gibt es geologische Limits.


3️⃣ Wasser‑ und Infrastrukturprobleme

  • Auf El Hierro fließt ein großer Teil der „überschüssigen“ Energie in die Trinkwasserentsalzung.

  • In Deutschland hätte man zusätzliche Belastungen: Heizung, Mobilität, Industrie. Das würde die ohnehin schon knappen Speicherressourcen stark strapazieren.


4️⃣ Kostenfaktor

  • Auf der Insel werden enorme Summen investiert für eine „Laboranlage“ auf 10.000 Menschen.

  • In einem Industriestaat wäre der Ausbau von Speicher, Leitungen und Backup‑Kraftwerken für ein ganzes Land astronomisch teuer.

  • Hinzu kommen laufende Verluste durch Wirkungsgrad, Teillastbetrieb, Übertragungsverluste.


5️⃣ Fazit

  • El Hierro zeigt: 100 % EE sind möglich, aber nur unter extrem günstigen Bedingungen: kleine Insel, geringe Last, begrenzte Sektoren.

  • In einem Land wie Deutschland würde ein 100 % EE‑System extrem komplex, teuer und technisch viel schwieriger zu managen sein.


1. Was bedeutet „Stromversorgung“?

Stromversorgung bedeutet nicht, dass über das Jahr hinweg rechnerisch genug Energie erzeugt wird.
Stromversorgung bedeutet:

  • zu jeder Stunde

  • zu jeder Minute

  • zu jeder Sekunde

muss die benötigte Leistung bereitgestellt werden – unabhängig davon, ob Wind weht oder nicht.

Erzeugung, Überschuss und Versorgung sind nicht identisch.


2. Das Energiesystem von El Hierro

Das Stromsystem der Insel besteht aus:

  • Windkraftanlagen

  • Pumpspeicherkraftwerk (PSP) Gorona del Viento

  • Dieselkraftwerk als konventionelle Reserve

Wichtig ist:

  • Das Pumpspeicherkraftwerk hat keine eigene Stromquelle

  • Die Pumpen nutzen immer den aktuellen Strommix im Netz

  • Wird gleichzeitig Dieselstrom erzeugt, wird auch dieser zum Pumpen genutzt

Das PSP speichert daher keinen reinen Windstrom, sondern Netzstrom.


3. Definitionen für diese Auswertung

Um Missverständnisse zu vermeiden, werden klare Kriterien verwendet:

Ökostrom-Versorgung (streng definiert)

Eine Stunde zählt nur dann als Ökostromversorgung, wenn:

  • der gesamte Bedarf durch Windstrom gedeckt wird

  • keine Dieselstromerzeugung stattfindet

  • keine Stromerzeugung aus dem Pumpspeicher erfolgt

→ Das PSP wird nicht als Ökostromquelle gewertet.

Diese Definition ist technisch korrekt und unverzichtbar für eine ehrliche Bewertung.


4. Ergebnisse der Jahresauswertung 2024

4.1 Ökostrom-Versorgung

  • Im Jahr 2024 gab es keine einzige Stunde,
    in der der Strombedarf ausschließlich durch Windstrom gedeckt wurde,
    ohne gleichzeitige Beteiligung von Diesel oder PSP.

Die häufig zitierte „100 % Ökostromversorgung“ ist daher betriebsreal nicht gegeben.


4.2 Rolle des Dieselkraftwerks

  • Das Dieselkraftwerk war in nahezu allen Monaten regelmäßig im Einsatz

  • Besonders in längeren Windflauten übernahm es die nahezu vollständige Versorgung

  • Die längste zusammenhängende Flaute im Winter 2024 dauerte rund 22 Tage

In dieser Phase:

  • dominierte Dieselstrom die Versorgung

  • das Pumpspeicherkraftwerk spielte keine relevante Versorgungsrolle


4.3 Rolle des Pumpspeicherkraftwerks (PSP)

Das PSP wird häufig als „Schlüssel zur Autarkie“ dargestellt.
Die Daten zeigen jedoch:

  • Das PSP dient überwiegend der Netzstabilisierung

  • Es glättet Lastspitzen und Frequenzschwankungen

  • Es ersetzt keine kontinuierliche Stromversorgung

Im gesamten Jahr 2024 gab es keine Stunde,
in der das PSP allein die Stromversorgung der Insel übernommen hat.


5. Längere Flauten – das zentrale Problem

El Hierro erlebt regelmäßig mehrtägige bis mehrwöchige Windflauten.

Diese Flauten zeigen deutlich:

  • Windenergie ist nicht planbar

  • Speicher können kurze Schwankungen ausgleichen

  • lange Flauten erfordern konventionelle Kraftwerke

Selbst ein vollständig gefüllter Speicher würde bei vollständigem Windstillstand nicht ausreichen, um die Insel dauerhaft zu versorgen – ohne Diesel drohte ein Blackout.


6. Wirtschaftliche Einordnung

Unter Einbeziehung der Investitionskosten für:

  • Windparks

  • Pumpspeicherkraftwerk

  • Netzinfrastruktur

  • Dieselreserve

liegen die realen Stromerzeugungskosten auf El Hierro deutlich über dem Marktpreis.

Die Einwohner zahlen diesen Preis nicht direkt, da:

  • der Strompreis staatlich reguliert ist

  • Mehrkosten über das spanische Gesamtsystem ausgeglichen werden

Das Projekt ist daher politisch und systemisch,
nicht aber betriebswirtschaftlich tragfähig.


7. Übertragbarkeit auf Gemeinden und Regionen

El Hierro ist kein Sonderfall, sondern ein ehrliches Modell im Kleinen:

  • Keine Stromimporte möglich

  • Jede Schwäche wird sichtbar

  • Keine statistischen Schönrechnungen

Was hier nicht funktioniert, funktioniert auch im großen Maßstab nicht automatisch besser.

Aussagen wie:

„Wir erzeugen mehr Strom als wir verbrauchen – wir sind autark“

sind energetisch falsch, solange:

  • keine vollständige, dauerhafte Versorgung

  • keine Flautenabsicherung

  • keine saisonale Speicherlösung existiert


Schlussbemerkung

Windkraft kann Strom erzeugen.
Stromversorgung ist etwas anderes.

El Hierro zeigt nicht das Scheitern erneuerbarer Energien –
sondern die Grenzen physikalischer Realität.

Diese Grenzen zu benennen ist keine Ideologie,
sondern Voraussetzung für eine ehrliche Energiepolitik.


Datenquelle

Alle Auswertungen basieren auf offiziellen Betriebsdaten von
demanda.ree.es (Red Eléctrica de España)

 

 

„Die Stromerzeugung auf El Hierro ist technisch interessant, aber wirtschaftlich nur im Rahmen eines subventionierten Inselsystems tragfähig.“

 


In dieser Grafik haben wir einmal die Stunden aufgelistet in der entweder das Dieselkraftwerk die Stromversorgung der Insel alleine übernehmen musste und die Stunden an denen die Windkraftanlagen für 100% Ökostromversorgung zu sorgen. 

Alles in allem haben sich unsere pessimistischen Aussagen die sich auf die Auswertung der Prosuktions und Versorgungsdaten von 2015 bezogen, >siehe hier, nach 9 Jahren Betriebszeit mehr als bestätigt.

In dieser Grafik haben wir anhand der Produktionsdaten der 5 Windkraftanlagen auf El Hierro, die Betriebszustände in einer Häufigkeitsverteilung dargestellt